Nur zwei Dinge Durch so viele Formen geschritten, durch Ich und Wir und Du, doch alles blieb erlitten durch die ewige Frage: wozu? Das ist eine Kinderfrage. Dir wurde erst spät bewußt, es gibt nur eines: ertrage - ob Sinn, ob Sucht, ob Sage- dein fernbestimmtes: Du mußt. Ob Rosen, ob Schnee, ob Meere, was alles erblühte, verblich, es gibt nur zwei Dinge: die Leere und das gezeichnete Ich.
von Gottfried Benn

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Was nütz dir ein Ewiges leben, wenn du es allein leben musst?

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"So wilde Freude nimmt ein wildes Ende Und stirbt im höchsten Sieg, wie Feu'r und Pulver Im Kusse sich verzehrt."





 Romeo und Julia

Altes Verlangen siecht und wird verbleiben,
Und junge Neigung giert, es zu beerben.
Die Schöne, um die Lieb' litt und wollt' sterben,
Ist nicht mit Julias Schönheit zu vergleichen.
Doch nun, da Romeo liebt und findet Gegenlieb,
Muß er sich ihr, der Feindin anbefehlen,
Sie muß von Spitzen Angelhaken stehlen
Der Liebe süßen Köder wie ein Dieb.
Als Feind darf er nicht hin zu ihr, um so,
Wie's Liebende tun, ihr Lieb zu schwören offen.
Auch sie liebt ihn, doch kann noch weniger hoffen,
Zu treffen ihren Liebsten irgendwo.
Doch Lieb' gibt ihnen Kraft, Zeit Mittel, sich zu finden
Und höchste Not mit höchster Freude zu verbinden.
 

Die alte Liebe stirbt in ihm dahin,
    Und junge Zuneigung beerbt sie da;
Die Schöne, nach der schmachtend stand sein Sinn,
    Scheint nicht mehr schön nun neben Julia.
Er wird geliebt und liebt nun auch zum Schluß,
    Ein Zauberblick kann beiderseits nicht fehln,
Doch scheint als Feind sie, der ers klagen muß,
    Und seiner Falle Köder muß sie stehln.
Als Feind gesehn, darf er nicht zu ihr her,
    Zu schwörn, wie wirs sonst bei Verliebten sehn;
Auch sie liebt ihn, doch kann noch weniger
    Zum neu geliebten irgendwohin gehn:
Doch Zeit schafft Rat, Verlangen leiht die Kraft
Und lindert Leid durch süße Leidenschaft.
Geht ab.




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